Dienstag, 16. April 2019

Ein neuer Drucker...

Mal wieder Zeit für einen neuen Drucker :-)
Nach meinen Anfängen im 3D-Druck mit günstigen Plattenschubsern (Anet-A6 und AM8) habe ich schon lange zu den besseren Konzepten geschielt. Aber die bekannten CoreXY-Drucker (Voron, HyperCube etc..) wahren mir alle zu groß, aufwändig und teuer. So viel Energie .. zeitlich wie finanziell.. möchte ich derzeit nicht in so ein Projekt stecken.
Da bin ich auf YT vor einiger Zeit über den TwoTrees Sapphire-S CoreXY gestolpert. Ein kleiner CoreXY-Drucker (Bauraum lediglich 200x200x200mm) mit ordentlichem Aufbau und attraktivem Preis. Letztendlich konnte ich dann nicht widerstehen und habe mir das Ding bestellt :-)

Ich hatte mit dem Anet-A6 ja schon einen China-Drucker und hatte deswegen eine ähnliche Verpackung und Qualität erwartet. Aber weit gefehlt. Was ich hier im Karton gefunden habe hat mich absolut begeistert!
Sehr ordentlich und sicher verpackt kommen alle Teile ohne Beschädigung aus dem Karton.
Bodenplatte mit der kompletten Elektronik sowie Oberplatte mit den Führungen und Druckbetthalter kommen bereits vormontiert.

Nach Begutachtung der gelieferten Teile bin ich echt begeistert! Fast überall Metallteile die sauber verarbeite und sehr stabil sind. Der Heizbetthalter besteht z.B. aus 3mm gekantetem Stahlblech! Geführt wird der Heizbetthalter an 2x 12mm Wellen (Z-Achse). Und überhaupt sind alle Wellen und die MGN Linearschienen bei mir absolut gerade und leichtgängig. Nur die Gewindespindel für die Z-Achse hat einen deutlich sichtbaren schlag. Die werde ich aber sowieso demnächst gegen eine Kugelumlaufspindel austauschen .. ist schon bestellt.
Der Grundrahmen besteht aus 2020er Aluprofilen mit Nut6. Die Bodenplatte an der die gesamte Elektronik, Netzteil sowie die X + Y + Z Motoren verschraubt sind besteht aus einer 6mm Dibond-Platte (Alu-Verbundplatte). Nach entfernen der Schutzfolie habe ich hier die Kanten ringsum etwas entgratet.
Es ist insgesamt ratsam sämtliche Schrauben mal nachzufassen. Ich hatte etliche lockere Verschraubungen an meinen Teilen. Aber das ist ja kein Problem und gehört sowieso zu einem sorgsamen Aufbau dazu.
Die gesamte X&Y Achse mit den MGN Führungsschienen und Wagen habe ich demontiert und gereinigt. Ist nicht wirklich nötig gewesen. War bei mir alles sehr sauber und frei von Fertigungsrückständen. Wollte aber sichergehen und das erledigen bevor alles zusammengebaut wird. Auch die Wagen habe ich komplett zerlegt, alle Kugeln entfernt (es sind 24 Kugeln pro Lagerseite .. nur für den Fall :-) und gereinigt. Dann neues Fett dran und die ganzen Kugeln wieder rein gepuzzelt und den Drahtbügel wieder drüber um das ganze zu sichern. Ein echter Spaß für einen ruhigen Abend :-) Als Fett habe ich ein Lithium verseiftes Longlife-Fett der NLGI Klasse 2 verwendet. Das ist eigentlich gefühlt schon etwas zu dick, hatte aber kein anderes da. Ein NLGI-1 währe sicher ideal.
Nachdem diese kleinen Fleißaufgaben erledigt sind kann es an den eigentlichen Aufbau gehen. Die beiliegende Aufbauanleitung ist sehr oberflächlich gehalten und beschreibt nur die Grundlegenden Schritte. Zur Unterstützung können hier diverse YT-Videos hilfreich sein. Letztendlich ist der Aufbau aber problemlos. Nur beim einfädeln der Riemen musste ich genau aufpassen. Ist halt mein erster Core-Drucker und ich war mir nicht wirklich sicher wie das genau ausschauen muss.
Feddich .. Druck läuft :-)
Um die Riemen am X-Wagen für den Druckkopf zu befestigen habe ich nicht die beiliegenden Kabelbinder verwendet sondern mir 4x diesen --> GT2 Timing Belt Holder/Clip gedruckt. Das ist der Vorteil wenn man schon einen funktionierenden Drucker hat :-) Die Thin-GT2 Version passt perfekt für die beiliegenden Riemen. Durch einfaches zurückschieben der Clips kann der Riemen jederzeit wieder geöffnet und um einen Zahn nachgesetzt und gespannt werden. Hatte diese genialen Dinger schon an meinem A6 verbaut.
Der gesamte Kabelsalat ist vorbildlich beschriftet und somit schnell erledigt. Ein Problem gab es hier aber doch .. die mittlere Lötstelle am X-Endschalter war abgebrochen und wurde nur vom Schrumpfschlauch zusammengehalten. Das sorgte beim ersten Homing für etwas Hektik. Ich hasse dieses Geräusch wenn die Riemen über die Pulleys rattern... Mit der Situation war ich dann am neuen Drucker gleich etwas überfordert. Hier gibt es nämlich keine Stop Taste wie bei meinem RAMPS-System vom AM8. Hilft nur der Griff zum Hauptschalter .. Hard Off. Fehler war dann aber ziemlich offensichtlich und deswegen schnell gefunden und behoben. Das nächste Homing klappte dann wie es soll :-)
Auch mein HotEnd war leider falsch zusammengebaut und siffte oben am Heizblock kräftig raus. Also zerlegen, aufheizen, säubern und dann wieder richtig zusammenbauen. Am HotEnd lauert noch eine weitere kleine Gemeinheit. Die Bohrung für den Teflonschlauch ist sehr knapp bemessen und der Schlauch passt da kaum rein. Deswegen hab ich den beim ersten mal nicht komplett eingeschoben und mir ist schon nach dem 2. Druck das HotEnd verstopft. Hat etwas gedauert bis ich drauf gekommen bin ;-) Aber wenn man den Schlauch komplett einschiebt klappt das auch wunnebar :-)
Der Drucker kommt ja mit einer kompletten Lerdge Ausrüstung. Ein 32Bit-Board mit farbigem Touch-Screen und Auto-Off Modul. Leider verwendet Lerdge eine eigene Firmware und kein Marlin. Software ist aber sehr gut und man vermisst fast nichts. Alles ist sehr intuitiv über das Display erreichbar. Auch das PID-Tuning für HotEnd und HotBed ist mit ein paar Klicks angestoßen und liefert gute Ergebnisse. Bis auf einen kleinen Überschwinger beim aufheizen steht die Temperatur bei mir auf +/- 0,1Grad genau auf Sollwert. Gefüttert wird der Drucker mit einem USB-Stick. Das gefällt mir viel besser als das hantieren mit den (Micro)SD-Karten. Ein richtig schicker 16GB-Stick liegt dem Drucker sogar bei! An diesem Auto-Off Modul liegt die Netzspannung direkt und ungeschützt an. Wer beim Basteln da hinlangt bekommt heftig eine gewischt. Chinesen scheinen da schmerzfrei zu sein? :-) Deshalb dienen die ersten Teile die ich gedruckt habe zur Abdeckung aller Spannungsführenden Klemmen. Das komplette Set findet sich hier --> Safety addons for the TTrees Sapphire
Wenn wir schon beim Strom sind .. der gesamte Drucker läuft mit 24V. Das ist ein deutlicher Fortschritt gegenüber meinen bisherigen Druckern (alles 12V Maschinen). Das aufheizen geht beim Sapphire deutlich schneller als bei meinem AM8. Das Netzteil hat serienmäßig einen geregelten Lüfter verbaut .. der leider nicht besonders leise ist. Den werde ich sicher mal austauschen müssen...

Bisher bin ich mit dem Sapphire sehr zufrieden.
Wenn man Glück hat bekommt man das Grundgerät (ohne Plexiglas-Einhausung) schon um 300€. Dafür erhält man ein robust aufgebautes Gerät mit erstaunlich guter Ausstattung.


Keine Kommentare :

Kommentar veröffentlichen